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MASW / VS30 in Frankfurt am Main: Scherwellengeschwindigkeit präzise messen

Frankfurts Untergrund ist eine geotechnische Zweiklassengesellschaft: Im Westen kompakter Kalkstein, im Osten und entlang des Mains bis zu 40 Meter mächtige quartäre Kiese und Sande über dem tertiären Frankfurter Ton. Diese Lockersedimente dämpfen Erschütterungen anders als Fels – ein Fakt, der bei jedem Hochhausprojekt im Bankenviertel eine Rolle spielt. Die MASW-Methode (Multichannel Analysis of Surface Waves) liefert uns das Vs30-Profil, also die gemittelte Scherwellengeschwindigkeit der obersten 30 Meter, ohne Bohrung. Gerade in einer Stadt mit 16 Gebäuden über 100 Meter Höhe und einer moderaten Erdbebengefährdung nach DIN EN 1998-1/NA ist diese Kennzahl für die Standortklassifizierung unverzichtbar. Unsere Feldteams arbeiten mit 24-Kanal-Seismografen und 4,5-Hz-Geophonen – das reicht, um selbst die weichen Mainablagerungen zwischen Sachsenhausen und Ostend sauber aufzulösen.

Ein valides Vs30 erspart dem Tragwerksplaner pauschale Sicherheitszuschläge, die schnell sechsstellige Mehrkosten im Fundament bedeuten.

Methodik und Umfang

Die DIN EN 1998-1:2010-12 in Verbindung mit dem nationalen Anhang DIN EN 1998-1/NA:2021-07 fordert für den rechnerischen Erdbebennachweis die Zuordnung in eine Baugrundklasse nach Tabelle NA.4 – und genau hier setzt die MASW-Messung an. Im Frankfurter Stadtgebiet treffen wir regelmäßig auf Profile, die zwischen Klasse B (mäßig verwitterter Kalk) und Klasse C (dicht gelagerter Mainkies) pendeln; eine pauschale Annahme wäre fahrlässig. Unsere Auswertung läuft über das Dispersionsverfahren: Aus der Phasengeschwindigkeit der Rayleigh-Wellen leiten wir das 1D-Scherwellenprofil ab. Die Messlinien legen wir je nach verfügbarer Fläche zwischen 46 und 69 Meter aus, mit 24 Vertikalgeophonen im 2-Meter-Abstand. Für innerstädtische Baulücken – etwa in Bornheim oder Bockenheim – kombinieren wir die MASW-Auswertung bei Bedarf mit einer seismischen Refraktionsmessung, um Unstetigkeiten im Felsniveau zu erkennen.
MASW / VS30 in Frankfurt am Main: Scherwellengeschwindigkeit präzise messen

Lokaler geotechnischer Kontext

Ein Bauvorhaben mit fünf Vollgeschossen im Gutleutviertel stand auf einer verfüllten Altarmrinne des Mains – locker gelagerte Auffüllung mit organischen Einschlüssen bis 6 Meter Tiefe. Die Baugrundvoruntersuchung hatte den Schichtenverlauf über Rammkernsondierungen erkundet, aber die dynamische Steifigkeit blieb unbekannt. Erst unsere MASW-Messung zeigte, dass die Vs30 unter 180 m/s lag – Baugrundklasse D nach Tabelle NA.4. Der Bodengutachter musste das Erdbebenantwortspektrum anpassen, was zu einer Verstärkung der Bodenplatte und tieferen Pfahlgründungen führte. Ohne diesen Befund wäre das Gebäude mit einem unterschätzten seismischen Lastansatz bemessen worden. In ähnlichen Auesituationen entlang des Mains – Schwanheim, Niederrad, östliches Sachsenhausen – empfehlen wir, die MASW-Messung bereits im Vorentwurf durchzuführen, nicht erst im Baugenehmigungsverfahren.

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Geltende Normen

DIN EN 1998-1:2010-12 + NA:2021-07 (Erdbeben, Baugrundklassen), DIN 4020:2010-12 (Geotechnische Untersuchungen für bautechnische Zwecke), DIN 4150-1:2022-03 (Erschütterungen im Bauwesen)

Weitere Fachleistungen

01

Vs30-Standardprofil

Ein Profil mit 24 Geophonen, Auswertung nach DIN EN 1998-1/NA inklusive Baugrundklasse A–D. Für Einfamilienhäuser bis mittlere Mehrfamilienhäuser.

02

2D-Scherwellen-Tomografie

Mehrere überlappende MASW-Arrays ergeben ein 2D-Vs-Modell. Sinnvoll bei lateral wechselndem Untergrund, z. B. Übergang Mainkies zu Ton in Bockenheim.

03

Kombi-Paket MASW + Refraktion

Gleichzeitige Erfassung von P- und S-Wellengeschwindigkeit. Spart eine separate CPT-Sondierung, wenn auch die Lagerungsdichte gefragt ist.

Typische Parameter

ParameterTypischer Wert
MessverfahrenAktive MASW, 24-Kanal, Rayleigh-Wellen-Dispersion
Eindringtiefe25–35 m je nach Untergrundsteifigkeit und Array-Länge
Geophon-Abstand2,0 m standard (1,5 m bei beengten Flächen möglich)
Impulsquelle10-kg-Vorschlaghammer mit Stahlplatte (S-Welle angeregt)
Auswertemodell1D-Inversion Scherwellenprofil, Vs30 nach DIN EN 1998-1/NA
BerichtsumfangVs-Tiefenprofil, Vs30-Wert, Baugrundklasse A–D, Dispersionskurve
Dauer Feldmessung1–2 Stunden pro Profil bei Standardbedingungen

Fragen und Antworten

Wie tief reicht eine MASW-Messung in Frankfurt typischerweise?

Im Frankfurter Stadtgebiet erreichen wir mit einem 46-Meter-Array und 2-Meter-Geophonabstand in der Regel 25 bis 30 Meter Eindringtiefe. Auf den kompakten Kalkbänken im Westend oder an der Bockenheimer Landstraße kann die Auflösung ab 22 Meter etwas gröber werden, während wir in den mächtigen Mainkiesen der östlichen Stadtteile oft die vollen 30 Meter sauber abbilden. Für tiefere Profile setzen wir ein verlängertes Array mit 69 Metern Länge ein.

Was kostet eine MASW-Messung mit Vs30-Bericht?

Für ein Standardprofil mit 24 Geophonen, Feldmessung inklusive Anfahrt im Stadtgebiet Frankfurt und Auswertung nach DIN EN 1998-1 liegt der Preis zwischen €1.420 und €3.140. Der genaue Betrag hängt von der Zugänglichkeit des Geländes, der Array-Länge und davon ab, ob wir mit einer seismischen Refraktion kombinieren müssen. Jedes Angebot erstellen wir auf Basis einer kurzen Ortsbesichtigung oder Ihrer Lagepläne.

Können Sie MASW auch auf beengten innerstädtischen Grundstücken durchführen?

Ja, das ist in Frankfurt unser Alltag. Wir arbeiten mit einer Minimalauslage von 34,5 Metern und 1,5-Meter-Geophonabstand, was für Baulücken ab etwa 40 Metern Länge ausreicht. In Höfen oder entlang von Gebäudefluchten – typisch für die Blockrandbebauung im Nordend oder Sachsenhausen – verdichten wir die Schusspunkte und kompensieren die kürzere Linie durch eine höhere Stack-Anzahl. Die Vs30-Bestimmung bleibt normkonform.

Standort und Servicegebiet

Wir betreuen Projekte in Frankfurt am Main und Umgebung.

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