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Seismische Tomographie (Refraktion/Reflexion) in Frankfurt am Main: Baugrundwellen lesen lernen

In Frankfurt am Main sehen wir bei Bauvorhaben immer wieder dasselbe Bild: alte Mainarme, verfüllte Kiesgruben oder heterogene Auffüllungen aus der Nachkriegszeit, die kein Bohrprofil sauber abbilden kann. Die seismische Tomographie — sowohl als Refraktions- als auch als Reflexionsverfahren — hat uns in den letzten Jahren oft den entscheidenden Einblick geliefert, bevor der erste Bagger rollt. Wir setzen sie gezielt ein, um die Oberkante des Frankfurter Kalkstein-Horsts zu kartieren, quartäre Rinnenfüllungen zu erkennen oder den Verwitterungsgrad des Ton- und Mergelsteins abzuschätzen. Anders als punktuelle Aufschlüsse liefert das Verfahren ein durchgehendes 2D-Geschwindigkeitsprofil, mit dem wir Anomalien lückenlos verfolgen können. Gerade in einem urbanen Umfeld wie Frankfurt, wo zwischen Hochhäusern und U-Bahn-Schächten wenig Platz für schwere Rammgeräte bleibt, ist das ein enormer Vorteil.

Ein 2D-Geschwindigkeitsprofil deckt oft in einer Stunde auf, was zehn Bohrungen nur erahnen lassen — und das, ohne einen Quadratmeter Fahrbahn aufzureißen.

Methodik und Umfang

Der Baugrund in Frankfurt am Main ist stadtgeologisch spannend: Unter den quartären Kiesen und Sanden des Mains folgen tertiäre Tone und Kalksteine, darüber lagern örtlich mächtige Auffüllungen, die beim Wiederaufbau nach 1945 entstanden sind. Diese Schichtwechsel lassen sich mit der seismischen Refraktionstomographie gut auflösen, weil bereits geringe Unterschiede in der Kompressionswellengeschwindigkeit auf Materialwechsel hindeuten. In unserer Auswertung achten wir besonders auf Geschwindigkeitsinversionen — ein Klassiker, wenn steifer Ton unter lockerem Kies liegt — und kombinieren dann die Refraktionsdaten mit einem hochauflösenden Reflexionsprofil. Dieses Vorgehen hat sich bewährt, um die Mächtigkeit von tragfähigem Kies über den Frankfurter Tonen zu bestimmen. Ergänzend lassen wir oft einen CPT-Versuch mitlaufen, wenn die seismischen Horizonte punktuell geeicht werden müssen, oder ziehen eine Schürfgrube heran, um die oberflächennahen Auffüllungen direkt anzusprechen und die seismischen Geschwindigkeiten zu kalibrieren.
Seismische Tomographie (Refraktion/Reflexion) in Frankfurt am Main: Baugrundwellen lesen lernen

Lokaler geotechnischer Kontext

Die DIN EN 1997-2 verlangt für die geotechnische Kategorie GK 2 und GK 3 eine belastbare Erkundung der Baugrundschichtung — in Frankfurt am Main greift das besonders häufig, weil viele Projekte im Einflussbereich des Frankfurter U-Bahn-Systems oder in Hochhauslagen mit tiefen Baugruben liegen. Ein unterschätztes Risiko sind lokale Auslaugungshohlräume im Kalkstein des Frankfurter Horsts, die mit Bohrungen kaum systematisch zu erfassen sind. Die seismische Tomographie liefert hier einen echten Sicherheitsgewinn: Bereiche mit reduzierter Wellengeschwindigkeit deuten auf aufgelockerte oder verkarstete Zonen hin, die dann mit gezielten Kernbohrungen nachuntersucht werden können. In den quartären Kiesen wiederum hilft das Verfahren, die erosive Unterkante der Auffüllungen zuverlässig abzugrenzen — entscheidend für die Wahl zwischen Flach- und Pfahlgründung. Wer an der Mainufer-Linie baut und auf eine durchgehende Tragschicht angewiesen ist, für den ist eine reine Bohrkampagne ohne seismische Vorerkundung fachlich kaum noch zu vertreten.

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Geltende Normen

DIN EN 1997-2:2010-10 (Eurocode 7 — Erkundung und Untersuchung des Baugrunds), DIN 4020:2010-12 (Geotechnische Untersuchungen für bautechnische Zwecke), DGZfP-Merkblatt B11 (Seismische Verfahren in der Baugrunderkundung)

Weitere Fachleistungen

01

Seismische Refraktionstomographie für Gründungsgutachten

Kartierung der Felsoberkante des Frankfurter Horsts und der quartären Basis. Wir legen die Auslage so aus, dass die Gründungssohle sicher im Messbereich liegt, und liefern ein Geschwindigkeits-Tiefen-Modell, das direkt in den Geotechnischen Bericht nach DIN 4020 übernommen werden kann. Typische Anwendung: Abgrenzung Kies/Ton vor dem Aushub tiefer Baugruben im Bankenviertel.

02

Hochauflösende Reflexionsseismik für innerstädtische Trassen

Wenn Fernwärme- oder Abwassertrassen unter dem Main oder entlang der Eschersheimer Landstraße geplant werden, setzen wir auf Reflexionsprofile mit kleinem Geophonabstand. Das Verfahren bildet auch dünne Tonsteinbänke und Rinnenfüllungen ab, die bei der Refraktion im Schatten steiferer Schichten liegen. Kombinierbar mit Baugruben-Monitoring zur Verformungskontrolle während des Vortriebs.

Typische Parameter

ParameterTypischer Wert
Erkundungstiefe (Refraktion)15 m bis 40 m (abhängig von Auslage und Untergrunddämpfung)
Erkundungstiefe (Reflexion)> 50 m mit hochfrequenten Quellen möglich
Typische Auslage24 bis 48 Geophone, 2-m- oder 4-m-Abstand
QuellsignalVorschlaghammer (8 kg) oder beschleunigtes Fallgewicht
Auflösung in Frankfurt-TonenSchichtgrenzen ab ca. 0,5 m Mächtigkeit auflösbar
AuswerteverfahrenTomographische Inversion (Raytracing) + CMP-Reflexionsstack
Normativer RahmenDIN EN 1997-2 (Eurocode 7), ergänzend DGZfP-Merkblatt B11

Fragen und Antworten

Welche Eindringtiefe erreicht die seismische Tomographie im Frankfurter Stadtgebiet?

Mit einer 48-Kanal-Auslage und einem 8-kg-Vorschlaghammer kommen wir im Frankfurter Kies und Ton zuverlässig auf 25 bis 35 Meter Tiefe. Die Reflexionsseismik reicht mit entsprechendem Quellsignal auch über 50 Meter hinaus, was für Hochhausgründungen auf dem Frankfurter Kalk oft ausreicht. Die tatsächliche Eindringtiefe hängt stark von der Dämpfung des Untergrunds ab — in den tonigen Verwitterungshorizonten ist sie etwas geringer als im trockenen Kies.

Kann das Verfahren Auffüllungen mit Bauschutt von natürlichem Boden unterscheiden?

Ja, das ist sogar eine der Stärken der seismischen Tomographie. Auffüllungen mit Ziegelbruch, Betonresten oder Schlacke zeigen meist eine deutlich niedrigere und unruhigere Kompressionswellengeschwindigkeit als gewachsener Mainkies. In den Tomogrammen erkennt man das an irregulären Geschwindigkeitsverteilungen, die wir dann mit einer Schürfgrube punktuell verifizieren. So lässt sich die Auffüllungsmächtigkeit über weite Strecken verfolgen, ohne alle fünf Meter baggern zu müssen.

Was kostet eine seismische Tomographie in Frankfurt am Main ungefähr?

Für ein typisches Profil von 100 bis 150 Metern Länge mit Refraktions- und optionalem Reflexionsanteil liegen die Kosten je nach Zugänglichkeit und Auswerteaufwand zwischen €2.730 und €4.070. Bei sehr beengten innerstädtischen Verhältnissen oder Nachteinsätzen wegen Verkehrssperrungen kann der Aufwand höher ausfallen. Wir erstellen vorab ein Festpreisangebot nach Ortsbesichtigung.

Brauche ich für die Messung eine Verkehrssperrung oder Aufbruchgenehmigung?

In der Regel nicht. Die Geophone werden mit Wachs oder Knetmasse auf Asphalt oder Beton angekoppelt, und die seismische Quelle arbeitet impulshaft ohne dauerhafte Lärmbelastung. Auf stark befahrenen Straßen wie der Bockenheimer Landstraße stimmen wir uns mit dem Straßenverkehrsamt ab und arbeiten oft in den Nachtstunden. Einen Aufbruch des Belags vermeiden wir komplett — das spart Zeit und Genehmigungsschleifen.

Standort und Servicegebiet

Wir betreuen Projekte in Frankfurt am Main und Umgebung.

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