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Frankfurt am Main, Germany
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Seismische Mikrozonierung in Frankfurt am Main: Geotechnische Grundlagen für den Erdbebenschutz

Im Frankfurter Stadtgebiet treffen quartäre Kiese und Sande der Main-Niederung auf tertiäre Tone des Oberrheingrabens. Diese geologische Konstellation erzeugt ausgeprägte Impedanzkontraste, die bei seismischen Wellen zu merklichen Bodenverstärkungen führen. Zwar liegt Frankfurt am Main außerhalb der Hochrisikozonen Deutschlands, aber die DIN EN 1998-1 weist weite Teile des Rhein-Main-Gebiets der Erdbebenzone 1 mit Bemessungswerten bis 0,4 m/s² zu. Für kritische Infrastruktur, Hochhausprojekte im Bankenviertel und Brückenbauwerke über den Main verlangen Bauaufsichtsbehörden zunehmend standortspezifische Gefährdungsanalysen. Genau hier setzt die seismische Mikrozonierung an: Sie übersetzt regionale Gefährdungsmodelle in lokale Antwortspektren, die das tatsächliche Schwingungsverhalten des Frankfurter Baugrunds berücksichtigen. Ergänzend zu den seismischen Feldmessungen kombinieren wir die Ergebnisse oft mit einem CPT-Versuch, um die dynamischen Bodenkennwerte schichtgenau zu kalibrieren.

Die quartären Main-Sedimente in Frankfurt können seismische Wellen in bestimmten Frequenzbändern um den Faktor 2 bis 3 verstärken – ein Effekt, den pauschale Erdbebenzonen nicht abbilden.

Methodik und Umfang

Mit über 760.000 Einwohnern und einer Bebauungsdichte, die im Bahnhofsviertel und der Innenstadt europäische Spitzenwerte erreicht, ist Frankfurt am Main ein Labor für urbane Geophysik. Die Stadt liegt auf einer Höhe von etwa 112 m ü. NHN, doch die quartäre Sedimentfüllung des Untermaintals erreicht Mächtigkeiten von über 30 Metern. Diese Lockergesteinsdecke wirkt wie ein Filter für seismische Wellen: Je nach Mächtigkeit und Scherwellengeschwindigkeit können bestimmte Frequenzbänder verstärkt oder gedämpft werden. Unsere seismische Mikrozonierung erfasst diese Effekte durch eine Kombination aus aktiven und passiven seismischen Verfahren. MASW-Messungen liefern die Scherwellengeschwindigkeit bis in Tiefen von 30–50 m, während H/V-Spektralmessungen die Eigenfrequenz des Standorts bestimmen. Die so gewonnenen Daten fließen in numerische Modellierungen ein, die für jedes Baufeld ein individuelles Antwortspektrum nach DIN EN 1998-1 erzeugen – präziser als jedes pauschale Zonenmodell.
Seismische Mikrozonierung in Frankfurt am Main: Geotechnische Grundlagen für den Erdbebenschutz

Lokaler geotechnischer Kontext

Die DIN EN 1998-1/NA verlangt für Bauwerke der Bedeutungskategorien III und IV explizit die Berücksichtigung lokaler Standorteffekte. In Frankfurt am Main betrifft das nicht nur Hochhäuser, sondern auch die kritische Verkehrsinfrastruktur entlang des Mains. Das größte Risiko liegt in der Resonanz zwischen Bauwerkseigenfrequenz und Untergrund: Ein 12-stöckiges Gebäude im Ostend kann auf der gleichen quartären Rinne stehen wie ein Brückenpfeiler der Deutschherrnbrücke – beide schwingen anders, aber beide sind auf korrekte Antwortspektren angewiesen. Ohne seismische Mikrozonierung besteht die Gefahr, dass die tatsächliche seismische Einwirkung um 30–50 % unterschätzt wird. Besonders tückisch sind die tertiären Tonlinsen, die im Frankfurter Untergrund unregelmäßig eingelagert sind und lokale Impedanzsprünge erzeugen. Nur eine standortspezifische Untersuchung deckt solche Anomalien zuverlässig auf und verhindert teure Fehldimensionierungen.

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Geltende Normen

DIN EN 1998-1:2010-12 + NA:2021-07 (Eurocode 8 – Erdbebenbemessung), DIN 4149:2005-04 (Erdbebennorm – zurückgezogen, aber für Bestandsbauwerke noch relevant), DIN 45669-1:2010-09 (Messung von Schwingungsimmissionen), DGGT-Empfehlungen des Arbeitskreises 'Baugrunddynamik' (aktuelle Fassung)

Weitere Fachleistungen

01

Standortspezifische Antwortspektren

Ermittlung des elastischen und inelastischen Antwortspektrums für jeden Bauwerksstandort. Wir kombinieren MASW-Profile mit H/V-Messungen und kalibrieren die Modelle anhand von Bohrlochdaten, um die Scherwellengeschwindigkeit Vs30 und die Standortklasse nach DIN EN 1998-1 exakt zu bestimmen. Das Ergebnis ist ein bemessungsfertiges Spektrum für den Tragwerksplaner.

02

Mikrozonierungskarten für Areale

Für größere Projektgebiete – etwa das Europaviertel oder Entwicklungsflächen entlang der Hanauer Landstraße – erstellen wir flächendeckende Karten der seismischen Gefährdung. Diese Karten zeigen die räumliche Verteilung von Vs30, Eigenfrequenz und Amplifikationsfaktor und dienen als Planungsgrundlage für die städtebauliche Entwicklung und die Infrastrukturplanung.

Typische Parameter

ParameterTypischer Wert
Untersuchungstiefe MASW30–50 m (je nach Array-Auslage und Untergrund)
Erfasste Frequenzbänder (H/V)0,2–20 Hz (Grundfrequenz typisch 0,8–3 Hz in Frankfurt)
ZielparameterVs30, Vs-Profil, Eigenfrequenz f0, Amplifikationsfaktor
Normative GrundlageDIN EN 1998-1/NA:2021-07, DIN 4149
Messdauer pro Standort2–4 Stunden (passiv + aktiv)
ErgebnisformatAntwortspektren, Mikrozonierungskarte, Bodengutachten

Fragen und Antworten

Ist eine seismische Mikrozonierung in Frankfurt am Main überhaupt notwendig? Die Erdbebengefahr gilt hier doch als gering.

Die regionale Gefährdung ist moderat, das ist richtig. Aber die lokale Standortverstärkung durch die mächtigen quartären Sedimente des Maintals kann die effektive Bodenbeschleunigung deutlich erhöhen. Für Bauwerke der Bedeutungskategorien III und IV sowie für Hochhäuser ab etwa 40 m Höhe fordern Frankfurter Bauaufsichtsbehörden zunehmend standortspezifische Nachweise. Die seismische Mikrozonierung liefert genau diesen Nachweis und schützt vor Unterdimensionierung.

Welche Kosten entstehen für eine seismische Mikrozonierung eines Einzelstandorts in Frankfurt?

Die Kosten für eine seismische Mikrozonierung eines Einzelstandorts in Frankfurt am Main liegen typischerweise zwischen €3.600 und €16.230, abhängig von der geforderten Untersuchungstiefe, der Anzahl der Messpunkte und dem Umfang der numerischen Modellierung. Ein Angebot erstellen wir nach Sichtung der Projektunterlagen und des Baugrundvorberichts.

Wie lange dauert eine seismische Mikrozonierung von der Messung bis zum Ergebnisbericht?

Die Feldmessungen dauern in der Regel einen Tag pro Standort. Die anschließende Datenverarbeitung, Modellierung und Berichterstellung nimmt etwa zwei bis drei Wochen in Anspruch. Bei größeren Arealen mit mehreren Messpunkten verlängert sich die Bearbeitungszeit entsprechend. Wir stimmen den Zeitplan eng mit dem Projektablauf des Bauherrn ab.

Standort und Servicegebiet

Wir betreuen Projekte in Frankfurt am Main und Umgebung.

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